Und in des Waldes Dunkel schlafen die Wölfe. Roman
And in the Forest’s Darkness, the wolves are sleeping. Novel
Alva, nineteen years of age, enamored of Epictetus, given to meditations on the afterlife, a reader of volumes on Quantum Physics, and ever in pursuit of that singular, all-consuming love, slips quietly away from her parents’ London flat after a bitter quarrel, setting out upon a journey across South America. Mere hours later, catastrophe strikes: the aircraft carrying her parents falls from the sky.
Upon her return, she takes refuge with Bro, a famed and notorious theatre director residing in Vienna—an incorruptible individualist who stands in fierce defiance of the spirit of the age, beholden to nothing but truth and art. What follows are years marked by unrest. Alva’s odyssey through the untamed lands of the Carpathians unfolds further through sojourns in London, Zurich, Vienna, Hamburg, Antwerp, as well as in Iraq and Afghanistan.
And woven into this restless tale are further mysteries: a vanished letter, Bro’s journey through time, wolves that haunt the margins, a house laid under a curse, and Blue—a Caucasian Ovcharka.
SchuldLOS. Die lange Reise des Amadeus Glückskind. Roman
GuiltLESS. The long Journey of Amadeus Glückskind. Novel
NON coupable. Le long voyage d’Amadeus Glückskind
Durch den Wald, Hinter der Zeit. Roman
A Houseful of Ghosts. Novel
La maison de mes esprits. Roman
Vorankündigung: Demnächst!
Das Ding aus einer anderen Welt. Roman
Eines Tages, kurz nach Sonnenaufgang, stand sie da. Die Säule. Zehn Meter hoch. Ein nachtschwarz glänzendes Viereck. Weder Obelisk noch Totempfahl. Sie stand da. Mitten auf dem Marktplatz, unweit des dreihundert Jahre alten Brunnens, den eine Menagerie steinerner Fabeltiere umrahmt, darunter ein mächtiger Zentaur, der seit ewigen Zeiten den Himmel mit seinen Blicken abzusuchen scheint. Ein idyllisches Fleckchen Erde, umsäumt von alten Eichen und einer tausend Jahre alten Linde. Da stand sie also. Ohne dass sie jemand gerufen hatte. Und niemand, wirklich niemand hatte ihr lautloses Ankommen bemerkt. Und diese Säule war das Seltsamste, Makelloseste und zugleich Unheimlichste, was je ein menschliches Auge erblickt hatte.
Leseprobe
12/2026. Das Ding aus einer anderen Welt. Roman Auszug: III. Eine Stadt in Aufruhr
Vier Wochen nach diesem Zusammentreffen saß der Bürgermeister in seinem Büro und sah nachdenklich aus dem Fenster. Er sinnierte darüber, ob er versagt hatte. War die Säule fort? Nein. Und niemand auf der ganzen Welt wollte sie haben, was nicht zuletzt daran lag, dass es keinen einzigen Menschen gab, der bereit war, jegliche Gefahr oder jedes erdenkliche Risiko im Falle eines Abtransportes auszuschließen. Waren das Militär und die Hubschrauber verschwunden? Ja. Musste er die Polizeipräsenz erhöhen? Natürlich. Der Marktplatz wurde nun rund um die Uhr observiert. Es gab keinen Baum, kein einziges Dach, keinen noch so kleinen Winkel, an, auf oder in dem sich keine Kamera befand. Drohnen kreisten Tag und Nacht über der Stadt. Waren die Menschen vor den Toren verschwunden? Ungefähr eine Hälfte der sensationshungrigen Meute hatte sich zurückgezogen, nicht zuletzt dank Lucias überragender Klugheit. Sie hatte es geschafft, in den sozialen Netzwerken zu verbreiten, dass sich Horden von Bären und Dutzende Rudel Wölfe um die Stadt herum sowie in den Bergen angesiedelt hatten, die leider Gottes – so schrieb sie – stets an Futtermangel litten und aufgrund dessen seien die Tiere ziemlich nervös. Gespickt hatte sie ihren Artikel mit Geschichten über blutrünstige Bärenangriffe mit Todesfolge, die sich in den letzten fünfzig Jahren zugetragen hatten. In mühevoller Kleinarbeit war es ihr gelungen, die schaurigsten Vorfälle herauszusuchen und eindrucksvoll in ihren Text einzuarbeiten. Unsere Wölfe, so konnten die Menschen in aller Welt lesen, sind immer auf der Suche nach Nahrung jedweder Art. Auch der Schlangen hatte sie sich angenommen und beiläufig erwähnt, dass sieben verschiedene Schlangenarten in der Gegend heimisch geworden sein sollen, darunter vier, deren Gift fast immer zum Tode führen würde. Gescheit wie sie war, hatte sie hinzugefügt, dass alle diese Erzählungen vielleicht nur Gerüchte seien, trotzdem könne man einen gewissen Wahrheitsgehalt nicht ausschließen, zumal drei dieser giftigen Schlangenarten als sehr klein beschrieben werden und es damit für einen Touristen nahezu unmöglich sei, sie rechtzeitig zu entdecken. Die andere Hälfte der Neugierigen tummelte sich nun fröhlich in seiner Stadt herum. Der Bürgermeister war immerhin weise genug gewesen, die Anzahl und die Aufenthaltsdauer der Besucher zu begrenzen. Touristen, die sich auf illegalen Wegen in die Stadt hineingeschlichen hatten und erwischt wurden, blieb nichts anderes übrig als ein exorbitant hohes Bußgeld zu zahlen. Länger als eine Woche durfte niemand bleiben, bis auf diejenigen, die bereit waren, sich ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, was naturgemäß zur Folge hatte, dass die Immobilienpreise augenblicklich in die Höhe schossen. Zu Hugos Überraschung klammerten sich insbesondere finanzkräftige Touristen, Prominenz aller Art und Investoren an die Mär, dass die Säule den natürlichen Prozess des Alterns stoppen würde. Sie rissen sich um die letzten noch verbliebenen Häuser, die zum Verkauf standen. Absurd hohe Preise wurden für jede Immobilie, ja, für jede Ruine und auch noch die letzte freistehende Scheune gezahlt. Während also die einen dem Ding eine heilende Energie zuschrieben, hielten andere es für eine Art Menetekel; ein unheilvolles Omen. Wieder andere waren fest davon überzeugt, dass die Säule gar von Gott selbst auf die Erde gesandt worden sei. Beide Fraktionen hatten weltweit eine bemerkenswert große Anhängerschar. Wieder andere schworen unverändert darauf, die Säule sei Teil eines Ufos oder eine Ankündigung, dass Wesen einer außerirdischen Zivilisation bald zu Besuch kämen. Die allermeisten überzeugte jedoch die weltweit verbreitete Nachricht – auch hier hatte Lucia erstklassige Arbeit geleistet -, dass das Objekt das Kunstwerk eines genialen Bildhauers sei, der es bedauerlicherweise vorzog, unbekannt zu bleiben. Und zur großen Erleichterung des Bürgermeisters fand diese These in den sozialen Netzwerken große Zustimmung und führte letztlich dazu, dass der hochgekochte mediale Wahnsinn nicht noch weiter anstieg. Wie hatte es der Präsident formuliert? Man könne den Menschen alles weismachen? Nein, er irrt. Man kann zwar vielen, aber nicht allen Menschen alles weismachen.
12/2026. Das Ding aus einer anderen Welt. Roman Auszug: II. Der Tod des Androiden
„Er tut nichts, keine Sorge. Der Android ist darauf programmiert, niemandem etwas zu tun“, sagt einer der Physiker lächelnd und richtet seinen Blick auf Omar. „Er ist eine Maschine. Nicht mehr und nicht weniger. Anscheinend hat er heute keine Lust, zu arbeiten. Kommt schon mal vor.“ Nach einer guten halben Stunde ist es geschafft. Ikarus wird aufgefordert, sich erneut zur Säule zu begeben. Der Roboter steht auf, zögert kurz, bewegt sich dann aber zielstrebig auf das Objekt zu, das im selben Moment von einem tiefroten Schimmer überzogen wird.
Zum Teufel, was ist das für ein Ding? – fragt sich Hugo. Kurz vor Erreichen der Säule bleibt der Android erneut stehen, senkt den Kopf und rührt sich nicht mehr. Die Männer stöhnen auf. Plötzlich tritt einer der Ingenieure näher an die Säule heran und sagt ein Wort in einer unbekannten Sprache, das wie der Anfang eines Gebets klingt. Ikarus hebt den Kopf, nickt und dreht sich in Richtung der kleinen Gruppe, die sich um den Bürgermeister gescharrt hat. Seine Augen suchen den Blick Omars, der sich verlegen abwendet. „Ikarus!“ Einer der Ingenieure streckt fordernd seinen Arm in Richtung des Androiden und wiederholt das soeben gesagte Wort. Der Roboter bewegt sich daraufhin weiter nach vorn. Er zögert, stockt sekundenlang, hält plötzlich inne und dreht seinen Kopf in Richtung eines Kranichs, der sich in diesem Moment mit warnenden Rufen in die Lüfte emporschwingt. „Ikarus!“ Wieder drängt einer der Männer den Androiden, weiterzugehen. Dieses Mal noch dringlicher. Ein letztes Mal sieht Ikarus zurück, lässt seinen Blick über die Gruppe der Wartenden schweifen, wendet sich Augenblicke später ruckartig der Säule zu, hebt blitzschnell seinen rechten Arm und drückt diesen an die Oberfläche des Gesteins. „Geht doch, Junge, gut gemacht!“, ruft einer der Ingenieure aufmunternd. Irgendjemand lacht erleichtert. Urplötzlich dreht sich der Roboter zurück, sinkt in Zeitlupentempo auf die Knie. Mit nach vorn gebeugtem Kopf, beide Hände auf das Gesicht gepresst, verharrt er so. Unvermittelt erklingt ein quälend langgezogenes Piepen, das allmählich leiser und leiser wird, bis es ganz erstirbt. Die roten Elektroden an Ikarus Händen zucken ein letztes Mal wild auf. Ein Licht nach dem anderen erlischt. Am Ende sackt sein Kopf nach links. Lautlos stürzt der Android mit dem Gesicht voran auf den Boden. Es ist vorbei.
12/2026. The Thing from Another World. Novel Excerpt: I. The Arrival of the Pillar
One day, shortly after sunrise, it was there.
The pillar. Ten meters high. A jet-black, gleaming quadrilateral. Neither obelisk nor totem. It stood there. In the middle of the marketplace, not far from the three-hundred-year-old fountain, encircled by a menagerie of stone creatures—among them a mighty centaur that, for ages, seems to have been scanning the sky. An idyllic place, framed by ancient oaks and a thousand-year-old linden tree. And there it stood. Without being summoned. And no one—no one at all—had noticed its silent arrival. And this pillar was the strangest, most flawless, and at the same time most unsettling thing any human eye had ever seen.
12/2026. The Thing from Another World. Novel Excerpt: II. The Death of the Android
“He’s not doing anything, don’t worry. The android is programmed not to harm anyone,” one of the physicists says with a smile, turning to Omar. “He’s a machine. Nothing more, nothing less. Apparently he doesn’t feel like working today. It happens.” After a good half hour, it’s done. Icarus is instructed to approach the pillar again. The robot rises, hesitates briefly, then moves toward the object with determination—at which very moment it is suffused with a deep red glow.
What the hell is that thing? Hugo wonders. Just before reaching the pillar, the android stops again, lowers his head, and does not move. The men groan. Suddenly one of the engineers steps closer to the pillar and speaks a word in an unknown language, something that sounds like the beginning of a prayer. Icarus lifts his head, nods, and turns toward the small group gathered around the mayor. His eyes seek Omar’s gaze, who looks away, uneasy. “Icarus!” One of the engineers extends his arm toward the android and repeats the word. The robot moves forward again. He hesitates. Falters for seconds. Then suddenly stops and turns his head toward a crane rising into the air with sharp warning cries. “Icarus!” Again one of the men urges him on, more insistently now. One last time, Icarus looks back. His gaze passes over the waiting group. A moment later he turns abruptly toward the pillar, raises his right arm with lightning speed, and presses it against the surface. “There you go, boy, well done!” one of the engineers calls out encouragingly. Someone laughs in relief. All at once the robot turns back, sinks to his knees in slow motion. Head bowed forward, both hands pressed to his face, he remains like that. Then, without warning, a long, agonizing tone begins to sound—fading slowly until it dies away completely. The red electrodes in Icarus’s hands twitch violently one last time. One light after another goes out. At last his head drops to the left. Silently, the android collapses face-first to the ground. It is over.
12/2026. Das Ding aus einer anderen Welt. Roman Auszug: IV. Eine Nacht wie keine andere...
„Weiß Nathalie davon?“
Mateo sieht seinen Freund aufmerksam an.
„Wo denkst du hin? Natürlich nicht. Sie hätte mich in den Keller gesperrt oder aber ihre Koffer gepackt.“
„Du musst es nicht machen, Hugo, vergiss das nicht. Und wenn du mich fragst, solltest du es auch gar nicht tun.“
„Ich weiß. Geh schon, geh schon… Los, geh verdammt nochmal!“
Mateo dreht sich um und verschwindet in der Dunkelheit. Die Nacht hat den Marktplatz unter einem schwarzen Tuch begraben. Die Zeit selbst hat sich verkrochen. Nichts bewegt sich. Nichts rührt sich. Nichts ist sicher. Nur eines steht fest. Er ist allein. Nie zuvor hat er sich so allein gefühlt. So unendlich verlassen. Von Gott. Von allem. In der rechten Hand hält er die Bohrmaschine. Die wenigen Lichter erhellen um diese Stunde nur spärlich die Umgebung. Es ist still. Totenstill. Sämtliche Kameras und Drohnen wurden auf seine Anweisung hin zwischen 3 und 4 Uhr ausgeschaltet. Er hat genau eine Stunde Zeit. Eigentlich schade, sagt er sich, es wäre ein verdammt gutes Foto für die Öffentlichkeit geworden. Hugo erinnert sich daran, dass Felipe seinem Vater erzählt hatte, Stimmen aus der Säule gehört zu haben. Er horcht. Wieder und wieder. Nichts. Nichts als diese tiefe Stille, die ihn von Minute zu Minute stärker umklammert. Wird das verfluchte Ding mich töten? So wie es die beiden Androiden umgebracht hat? Er hadert minutenlang mit sich und dem, was er in wenigen Augenblicken tun wird. Die Kluft zwischen Heldentum und Dummheit ist schmal. Aber verdammt, das, was er vorhat, ist ein Muss. Langsam hebt er den Kopf in die Schwärze der Nacht, sucht nach einem Licht, nach einem noch so kleinen Stern, nach irgendetwas, das ihm Hoffnung schenkt. Im selben Moment überzieht die Säule ein glutrotes flirrendes Licht, ein Licht, so unheimlich, so absonderlich und rätselhaft, dass ihm der Atem stockt. Er glaubt, ein leises Summen zu hören, gefolgt von einem noch leiseren Flüstern. Eine brennende Hitze überzieht plötzlich seine rechte Hand. Der Schmerz lässt ihn zurücktaumeln. Kurz zögert er, dann schaltet Hugo Martin die Maschine ein und drückt den Bohrer mit aller Gewalt gegen die Oberfläche des Gesteins…
04/2027. La Chose venue d'ailleurs. Roman. Extrait. I. L'arrivée de la colonne + IV. Une nuit extraordinaire...
I. L’arrivée de la colonne
Un jour, peu après le lever du soleil, elle était là. La colonne. D’une hauteur de dix mètres. Un pilier carré d’un noir d’encre, à la surface brillante. Ni obélisque ni totem. Elle se dressait là. En plein milieu de la place du marché, non loin de la fontaine tricentenaire entourée d’un bestiaire de créatures mythiques en pierre — dont un énorme centaure semblant scruter le ciel du regard depuis la nuit des temps. Un petit coin de paradis, bordé de chênes séculaires et d’un tilleul millénaire. Elle se trouvait donc là. Sans que personne ne l’ait conviée. Et personne — absolument personne — n’avait remarqué son arrivée silencieuse. Cette colonne était la chose la plus insolite, la plus parfaite et pourtant la plus inquiétante que l’œil humain ait jamais contemplée.
IV. Une nuit extraordinaire…
« Nathalie est au courant ? » Mateo scrute son ami. « Qu’est ce que tu crois? Bien sûr que non. Elle m’aurait enfermé à la cave ou aurait fait ses valises. » « Tu n’es pas obligé de le faire, Hugo, n’oublie pas ça. Et à mon avis, tu ne devrais même pas le faire. » « Je sais. Vas-y, vas-y… Allez, va-t’en, bon sang ! » Mateo se retourne et disparaît dans l’obscurité. La nuit a enseveli la place du marché sous un voile noir. Le temps lui-même a disparu. Rien ne bouge. Rien ne remue. Rien n’est moins sûr. Une seule chose est certaine : il est seul. Jamais auparavant il ne s’était senti aussi seul. Aussi éperdument abandonné. Mon Dieu. Par tout le monde. Dans sa main droite, il tient la perceuse. À cette heure-ci, les rares lumières n’éclairent que faiblement les environs. Le silence règne. Un silence de mort. Sur son instruction, toutes les caméras et tous les drones ont été désactivés entre 3 et 4 heures du matin. Il dispose exactement d’une heure. C’est bien dommage, se dit-il ; cela aurait fait une bonne photo pour le public. Hugo se souvient que Felipe avait raconté à son père avoir entendu des voix provenant de la colonne. Il tend l’oreille. Encore et encore. Rien. Juste le profond silence qui l’étreint davantage de minute en minute. Cette maudite chose va-t-elle me tuer ? Comme elle a exterminé les deux androïdes ? Il lutte intérieurement pendant de longues minutes, tiraillé par ce qu’il s’apprête à faire. La frontière entre héroïsme et bêtise est mince. Mais bon sang, ce qu’il a en tête est une nécessité. Lentement, il lève la tête vers les ténèbres de la nuit, cherchant une lueur, une étoile, si minuscule soit-elle, ou quoi que ce soit susceptible de lui redonner espoir. Au même moment une lumière rougeoyante et vacillante inonde la colonne ; une lumière si inquiétante, si étrange et énigmatique qu’elle lui coupe le souffle. Il croit entendre une légère vibration, suivie d’un murmure plus faible encore. Une chaleur brûlante envahit soudain sa main droite. La douleur le fait vaciller. Il hésite un bref instant, puis Hugo Martinactionne la machine et plaque la mèche de sa perceuse de toutes ses forces contre la surface de la roche…
12/2026 (translation is planned...) The Thing from another World. Novel Exzerpt: X. The Revelation
Forty-eight hours later, Hugo Martin gets up in the middle of the night. It is just after two. Nathalie is asleep. He pulls one of his son’s black hoodies from the wardrobe, slips it on, places his phone on the pillow and quietly leaves the house. It begins to rain. He pulls the hood over his head and starts to run. He runs as if his life depends on it. He gasps for breath. The air is running out. He spits, coughs, everything hurts, but he keeps running. The rain grows heavier. The wind slaps the wetness into his face. He does not feel it. His gaze turns upward. He knows the cameras and drones are tracking him. He knows he will lose his office as mayor. He knows he may be unable to save either his town or himself. And yet. He keeps running. Then he stands before the pillar. Waiting. He waits for it to open. He wants to know. He wants to see what his son saw. Yes, he will wait. He will not leave. At that moment the night sky throws its gates wide open and the rain comes down in torrents. The cascading water floods every corner of the town. Long ago, every living creature has taken cover from the storm’s roar, except for this solitary figure before the pillar, standing motionless as the beating rain runs down his body. As though the cold wetness were not dreadful enough, a violent storm now breaks over the town with a crash. Jagged lightning tears through the sky. Thunder rolls so loudly that the shepherd dogs high in the mountains are startled awake, their alarmed barking carried through the night on the wind. And still the man stands there, not moving from the spot. Then it happens. A red light spreads across the pillar. A square opening appears before Hugo Martin. Later, much later, he will say that in that moment he could neither think nor feel. The shock was too great. The sight too overwhelming. The miracle too incomprehensible. Yes. That is what it is. A miracle. A revelation. The man standing before the pillar in the middle of a vast puddle does not move an inch. He stares at the glowing red square, its opening revealing nothing. Nothing but black emptiness.A searing pain shoots through his right hand. Where are the voices? And then, all at once, they are there. Sounds he has never heard before ring out, forming no discernible melody, interrupted by soft tolling bells. The noise of a motorway mingles with them. Somewhere, someone is hammering, knocking. Then sirens. A loud clatter. Muffled cries that break off abruptly. A sea of voices. Waves breaking against a shore. Birds singing. Car horns. Someone laughing as they skip down a staircase. The sound of a car. A screech. Silence. Footsteps. Quick footsteps. A ringtone, followed by the hoarse bark of a dog. Rain pelting windowpanes. He hears a door being opened. There. Suddenly, the sound of a voice. Hugo flinches as violently as if lightning had struck him.
“How can I help you?” A crash drowns out the reply. Then he hears heart-rending sobbing. It is his wife’s crying. The man before the pillar staggers back, sways from side to side and finally falls to his knees in the middle of the vast puddle. The water splashes loudly. At some point, he struggles to his feet. The pillar stands there in jet black as if nothing has happened. More gleaming than ever. He clutches his head in both hands and screams out his despair. His rage. All his hatred for the cursed thing. Then he runs. Water splashes up around him. He slips, falls, gets up again and keeps running until he hears a car behind him and turns around. The driver brakes. Hugo knows that car better than any other in the world…
12/2026. Das Ding aus einer anderen Welt. Roman. Textauszug. XI. Antonio
XI. Antonio
Heute ist sein Tag. Heute ist der Tag aller Tage. Heute ist der perfekte Moment, etwas ganz Großes zu tun. Etwas, womit die Welt nicht gerechnet hat. Er allein wird die Säule dazu bringen, sich zu öffnen, und dann wird er ihr eine Botschaft übergeben. Antonio ist sich sicher, dass sie in Wahrheit ein Ufo ist. Seine Eltern denken, dass er nichts merkt; schlimm genug, dass sie so etwas annehmen. Natürlich ist ihm die ganze Geheimniskrämerei nicht entgangen. Ja, sie verbergen etwas vor ihm, nur haben sie keine Ahnung, dass er mittlerweile besser über alles informiert ist, als sie es sich erträumen lassen. Und er hat einen Plan. Einen Plan, den er zusammen mit der KI wieder und wieder perfektioniert hat. Anfänglich wollte die KI nicht mitmachen. Sie war ziemlich verstockt und hat ihn darauf hingewiesen, dass er minderjährig ist. Es sei zu gefährlich, musste er sich wieder und wieder anhören. Und als sie eines Tages sogar die Bemerkung fallenließ, dass das, was er zu tun gedenke, nicht seine Kragenweite sei; er solle erst einmal die Schule beenden, hat es ihm gereicht. Wütend zog er den Stecker. Erst als Antonio ihr drohte, sie ganz abzuschalten, willigte die KI ein, ihn zu unterstützen. Nun ist er da. Der Tag, der alles verändern wird. Am frühen Morgen fährt Antonio wie immer mit seinem Fahrrad zur Schule. Hat er Angst? Ja, er hat Angst wie nie zuvor in seinem Leben, aber das Klettern in den Bergen hat ihm gezeigt, dass Angst dafür da ist, sie zu überwinden. Die Schulglocke läutet dreimal hintereinander. Der Mathematikunterricht beginnt. Nervös rutscht er auf seinem Platz hin und her, ungewohnt schweigsam an diesem Tag. Hinter ihm wird getuschelt. Wieder und wieder geht sein Blick zur großen Uhr hoch, selbst das Kichern der Mädchen holt ihn heute nicht aus seiner Abwesenheit heraus. Ein zusammengefalteter Zettel, auf dem ein Fragezeichen steht und ein rotes Herzchen gemalt ist, fliegt auf sein Heft. Er lächelt, nimmt ihn in die Hand und steckt das Papier, ohne es gelesen zu haben, in seine Hosentasche. In diesen Minuten ist sein ganzes Denken und Fühlen nur noch auf seinen Plan ausgerichtet, alles andere ist wie ausgelöscht. Nach dem Pausenklingeln meldet er sich mit der Begründung ab, dass er zum Arzt muss. Er habe Schmerzen in seinem linken Knie, und das kommt sogar der Wahrheit ziemlich nahe. Das große Hämatom, das er sich beim Klettern am Wochenende zugezogen hatte, ist noch nicht abgeheilt. Er verspricht, anschließend wieder am Unterricht teilnehmen zu wollen. Eine halbe Stunde später steht Antonio vor der Säule. Er hat den schwarzen Pullover Pablos übergezogen, den er tags zuvor in seinem Zimmer an einem heimlichen Ort deponierte, dessen Kapuze er sich so weit wie möglich über sein graues Basecap gezogen hat. Sein Telefon liegt in seinem Spind im Umkleideraum der Sporthalle. Die KI, die sich im Übrigen nach wie vor weigert, jegliche Fragen über die Herkunft der Säule zu beantworten, hatte ihm – hörbar mürrisch – dazu geraten. Immerhin. Anschließend fügte sie jedoch hinzu, dass sie es sich für die Zukunft ausdrücklich verbitte, von ihm unter Druck gesetzt zu werden. Die KI drohte ihm sogar an, dass sie sich bei einer Wiederholung selbst abschalten würde. Eine Aussage, die bei Antonio einen Lachanfall hervorrief. „Soll das ein Witz sein? Das glaubst du doch selbst nicht, dass du so etwas freiwillig machst…“, worauf sie für einen kurzen Moment ihre Klappe hielt. „Du könntest mehr als dein Leben verlieren“, raunte sie wenig später düster. „Wenn du dein Vorhaben aufgibst, verrate ich dir ein Geheimnis. Dein Vater und Pablo wissen mehr über die Säule, als du denkst“, worauf Antonio der KI vorwarf, ihn bestechen zu wollen – und zum zweiten Mal den Stecker zog. Nun also steht er vor der Säule. Er trägt eine schwarze zerschlissene Hose, die er seiner Mam erst eine Woche zuvor aus der Hand reißen musste, weil Nathalie aufgrund der Löcher, Einrisse und ausgefransten Hosensäume der Meinung war, dieses Ding sei der Öffentlichkeit nicht mehr zuzumuten. „Das ist kein Kleidungsstück mehr, sie ist selbst als Putzlappen nicht mehr zu gebrauchen. Es folgte ein lautstarker verbaler Schlagabtausch, der damit endete, dass seine Mam versprach, von nun solche Aktionen ohne seine ausdrückliche Zustimmung bleiben zu lassen. Beim Blick in seinen Schuhschrank entschied sich Antonio für seine besten Laufschuhe, geleitet von der Überlegung, dass er am Ende einen schnellen Sprint hinlegen würde müssen, um nicht in die Hände der Sicherheitsleute zu fallen. Okay. Das war’s. Sein Plan ist perfekt. Nichts kann schiefgehen. Nichts darf schiefgehen. Egal, was passieren wird, er wird sich nicht einfach festnehmen und abführen lassen. Das können die vergessen…
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